Ausschlaggebend für die Entstehung und Ausprägung sozialer Ängste ist oft die subjektiv empfundene Bedrohung des eigenen Selbstwertgefühls. Ob dies objektiv der Fall ist, oder es sich nur um eine subjektive Wahrnehmung handelt, ist dabei nicht entscheidend, denn das Ergebnis bleibt das Gleiche.
Im Berufsalltag gibt es mannigfaltige Situationen, in denen der Arbeitnehmer ein schlechtes Bild abgeben kann und sich damit der Gefahr aussetzt, auf der Beziehungsebene angegriffen zu werden. In einer solchen Situation ist sich der Betroffene seiner Selbst akut bewusst, z.B. durch mehr oder minder starke Selbstbeobachtung von Erregungszuständen, welche sich beispielsweise in Form von Erröten, Stottern oder Schwitzen offenbaren können.
Zu den Ursachen für soziale Ängste gehören:
Angst nicht akzeptiert zu werden
Um im Berufsleben erfolgreich sein zu können, ist es für den Beschäftigten wichtig, von Mitarbeitern wie Vorgesetzten akzeptiert und anerkannt zu werden. Dabei ist es vermutlich gleichgültig, auf welchen Hierarchieebenen man sich im Unternehmen befindet.
Wie schon mehrfach angesprochen, definieren wir uns zu einem guten Teil über unsere erbrachten Leistungen. Das erbringen dieser ist wichtig, um einen Selbstwert überhaupt erst definieren zu können. Um ein gutes Selbstwertgefühl zu entwickeln und beizubehalten, sind wir auf ein positives Feedback unserer Umgebung angewiesen. In gewisser Weise könnte man fast sogar sagen, dass der Arbeitnehmer davon abhängig ist, was andere von ihm halten. Dadurch entstehen möglicherweise Unsicherheiten, zum einen darüber ob das geleistete auch wirklich entsprechend gewürdigt wird und zum anderen, ob die eigene Persönlichkeit und Fähigkeit bei den Kollegen Anklang findet.
Beispielsweise werden nachfolgend zwei Wege aufgezeigt, auf denen der Arbeitnehmer die Akzeptanz verlieren kann:
Einmal sieht die Leitung des Unternehmens die Stelle des Beschäftigten als unbrauchbar und unnötig an. Von dieser offensichtlichen Kritik der Unternehmensleitung betroffen ist selbstverständlich nicht nur die Stelle an sich, sondern auch die Person des Stelleninhabers selbst. Wäre dessen Leistung von Wert gewesen und dementsprechend anerkannt, würde die Stelle nicht abgebaut werden. Für den Stelleninhaber heißt dass, das Erwartungen die von Seiten des Unternehmens an die Stelle gestellt wurden, nicht erfüllt werden konnten und der Stelleninhaber nicht gut genug gewesen ist um die Unternehmensleitung vom Gegenteil zu überzeugen.
Alternativ dazu ist auch vorstellbar, dass die Stelle an sich für sinnvoll erachtet wird, dem Arbeitnehmer aber selbst keine Akzeptanz entgegengebracht wird. Hierbei wird die Person direkt angegriffen und zwischenmenschliche Konflikte belasten das Selbstwertgefühl stärker als sachliche Problemlagen. Dies liegt daran, dass für persönliche Konflikte meist weniger oder eventuell kompliziertere Handlungskonzepte zur Verfügung stehen als für sachliche. Der ungewohnte Umgang mit Emotionen am Arbeitsplatz kann zusätzlich Angst verursachen und erschwert die angespannte Situation weiter.
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Tabuisierung von Angst am Arbeitsplatz
Ein Tabu sei hier als eine Abweichung vom Normalverhalten verstanden, über die nicht offen geredet wird. Es ist eine Verhaltensform, welche das "normale Funktionieren" in der Gesellschaft stört. Zu diesem "normalen funktionieren" gehört insbesondere, dass die Arbeitsfähigkeit erhalten bleibt. Ein Tabu stellt somit eine Schutzfunktion für die herrschenden Normen und Verhaltensweisen dar. Tabus sind in der Regel erlernt und blockieren den Kontakt - sie sind Kontaktstörungen. Erkennbar sind Tabus an Scham, Peinlichkeit und Angst.
Warum aber wird Angst am Arbeitsplatz tabuisiert? Eine Antwort lässt sich darin finden, dass am Arbeitsplatz rationales Verhalten von den Leistungsträgern erwartet wird. Die Betriebs- und Managementlehre stellen Modelle und Technologien zur Verfügung, um dieses zu gewährleisten. Währenddessen werden emotionale Aspekte kaum als relevant zugelassen, im Gegenteil wird Handeln nach dem Gefühl leicht mit Inkompetenz verwechselt.
Gründe, weshalb Rationalität der Emotionalität vorgezogen wird gibt es reichlich. Rational getroffene Entscheidungen sind transparenter und damit für andere besser nachvollziehbar. Auch lässt es sich bei einer solchen Vorgehensweise besser argumentieren als bei gefühlsbetonten Entscheidungen. Dazu kommt, dass Personen die ihre Gefühle zeigen, schwieriger einzuschätzen und in ihrem Verhalten u. U. schwerer vorhersagbar sind. Das kann die Zusammenarbeit zusätzlich erschweren.
Obwohl Rationalität in der Entscheidungsfindung ihre begründeten Vorteile haben kann, bleibt doch jeder Arbeitnehmer stets ein Individuum mit menschlichen Gefühlen. Wieso aber werden diese Emotionen gerne verborgen gehalten? Ist es tatsächlich so, dass durch sie rationales Handeln negativ beeinflusst wird? Wird eine Emotion wie Angst verheimlicht oder fällt es schwer sie überhaupt bei sich selbst zuzulassen, um nicht als schwach zu gelten, kann das erhebliche Konsequenzen haben. Verdrängt sind störende Auswirkungen kaum greifbar. Dadurch ist es schwierig frühzeitig gegen die Angst vorzugehen und so zieht sie sich oft über viele Jahre hinweg. Das ist letztendlich schädlicher für Arbeitnehmer und Unternehmen, als wenn er seine Angst gleich hätte offen zeigen können.
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Publikumsangst
Publikumsangst kann in Situationen auftreten, in denen sich eine Person im Mittelpunkt der gesamten Aufmerksamkeit befindet, wie es etwa bei Präsentationen der Fall ist. Bei derartigen Gelegenheiten besteht auch immer die Möglichkeit sich selbst zu blamieren und so sind sie mit verschiedenen Unsicherheiten verbunden.
Doch nicht alle Menschen sind nervös wenn sie sich vor anderen öffnen müssen. Einige Berufsgruppen, wie z.B. Schauspieler, sind sogar bekannt dafür, dass sie es genießen, im Rampenlicht zu stehen.
Inwieweit jemand Angst hat innerhalb einer Gruppe sozial hervorgehoben zu werden, hängt einmal mehr eng mit dem Selbstwertgefühl zusammen. Ist sich die betreffende Person sicher von den Kollegen auch dann nicht ausgelacht zu werden und auch nichts an seiner Akzeptanz einzubüßen, wenn sie einen Fehler macht, so wird sich ihre Nervosität in Grenzen halten.
In der Publikumsangst tauchen bereits bekannte Ängste auf, wie die Angst vor Fehlern, vor mangelnder Akzeptanz und vor Beurteilung. Demnach könnte die Publikumsangst auch den Leistungsängsten zugeschrieben werden, doch ist sie vorwiegend geprägt durch zwischenmenschlichen Kontakt und deshalb doch eher zu den sozialen Ängsten zu zählen.
Bei der Publikumsangst haben betroffene Menschen Angst bei dem Gedanken, dass alle Aufmerksamkeit auf sie gelenkt sein wird, denn dann könnten die Anwesenden eine Schwäche bei ihnen erkennen. Dadurch erhöht sich auch der Grad an Selbstaufmerksamkeit. Die Wahrnehmung für die eigene Person und das eigene Verhalten ist sensibilisiert, wodurch etwaige Beeinträchtigungen des Selbstwertes explizierter gesucht und aufgenommen werden.
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Mobbing
Bei dem Wort Mobbing handelt es sich um ein Kunstwort, dass dem englischen Verb "to mob" entlehnt ist und mit den Worten "über jemanden herfallen, anpöbeln, angreifen" übersetzt werden kann. Zurückführen lässt sich der Begriff "Mobbing" letztendlich auf den lateinischen Begriff "mobile vulgus", was soviel wie "wankelmütige Masse oder aufgewiegelte Volksmenge" bedeutet.
Mobbing ist in den letzten Jahren zu einem vieldiskutierten Thema geworden. Leider hat dieser Begriff inzwischen eine höchst inflationäre Verwendung erfahren. So werden normale Konflikte, jede Intrige und jeder Einsatz von Ellenbogen häufig als Mobbing bezeichnet.
Deswegen ist es hilfreich, zuerst die eigentliche Bedeutung des Wortes Mobbing zu definieren:
"Mobbing ist ein Geschehensprozess in der Arbeitswelt, in dem destruktive Handlungen unterschiedlicher Art wiederholt und über einen längeren Zeitraum gegen Einzelne vorgenommen werden, welche von den Betroffenen als eine Beeinträchtigung und Verletzung ihrer Person empfunden werden und dessen ungebremster Verlauf für die Betroffenen grundsätzlich dazu führt, dass ihre psychische Befindlichkeit und Gesundheit zunehmend beeinträchtigt werden, ihre Isolation und Ausgrenzung am Arbeitsplatz zunehmen, dagegen die Chancen auf eine zufrieden stellende Lösung schwinden und der regelmäßig im Verlust ihres bisherigen beruflichen Wirkbereichs endet." (1)
Ein Grund dafür, dass Mobbing ein in den letzten Jahren häufiger diskutiertes Thema ist, besteht vermutlich unter anderem im wachsenden Konkurrenzkampf am Arbeitsplatz. Viele agieren vielleicht eher nach dem Motto "Bevor es mich trifft, ekele ich lieber meinen Kollegen raus".
Dabei sind Mobbinghandlungen vielfältig. Zu ihnen gehören: (2)
- Angriffe gegen die Arbeitsleistung und das Leistungsvermögen
- Angriffe gegen den Bestand des Beschäftigungverhältnisses
- Destruktive Kritik
- Angriffe gegen die soziale Integration am Arbeitsplatz
- Angriffe gegen das soziale Ansehen im Beruf
- Angriffe gegen das Selbstwertgefühl
- Erzeugung von Angst, Schreck und Ekel
- Angriffe gegen die Privatsphäre
- Angriffe gegen die Gesundheit und körperliche Unversehrtheit
- Versagen von Hilfe
Durch Mobbing verschlechtert sich die soziale, psychische, gesundheitliche und nicht zuletzt die berufliche Situation des Betroffenen, wodurch ein normales Arbeiten nicht mehr möglich ist. Dies löst unweigerlich verschiedenste Ängste aus. Hierzu sollte gesagt werden, dass sich Angst auch in Form von Wut, Frustration oder Resignation zeigen kann, je nach dem, ob die betreffende Person bei Angst zu Flucht oder Angriff tendiert.
(1) s. ESSER / WOLMERATH (2001) S. 22
(2) vgl. ESSER / WOLMERATH (2001) S. 26 - 32
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