Der Wunsch nach Sicherheit ist für die meisten Arbeitnehmer wichtig. Diese ist jedoch nur in einem angstfreien Raum gegeben. Eine Person, die Angst empfindet ist verunsichert und wird versuchen die ursprüngliche Sicherheit wieder zu gewinnen.
Zu den Ursachen für Leistungsängste gehören:
Angst vor neuen Anforderungen
Wenn Anforderungen seitens des Unternehmens und die Fähigkeiten der Mitarbeiter nicht zusammenpassen, können Gefühle der Überforderung und daraus resultierend Angstgefühle entstehen. Im Beruf kann es zu einer Vielzahl von Veränderungen kommen, die der Arbeitnehmer bewältigen muss.
Zu diesen neuen Anforderungen zählen:
- Stellenwechsel
- Inhaltliche Veränderungen der bestehenden Stelle
- Auftauchen neuer Problematiken innerhalb der bestehenden Stelle
- Beförderung
All diese Punkte zählen zu neuen Anforderungen, denen der Arbeitnehmer in einem Unternehmen begegnen kann.
Es gibt aber auch neue Anforderungen denen sich das Unternehmen stellen muss, wenn es sich in der aktuellen wirtschaftlichen Situation behaupten will. Indirekt können nämlich auch die Umweltbedingungen die Anforderungen der Unternehmensleitung an seine Arbeitnehmer diktieren. In der heutigen Marktlage ist es wichtig, möglichst preiswert höchste Qualität zu produzieren, um sich im Wettbewerb behaupten zu können. Das erhöht zumeist den Druck auf den kostenintensiven Lohn- und Gehaltsbereich. Um diese Position möglichst niedrig zu halten, müssen oft immer weniger Arbeitnehmer, ein nicht geringer werdendes Maß an Arbeit innerhalb kürzester Zeit bewältigen. Infolgedessen wächst für die Mitarbeiter der Leistungsdruck und damit auch eventuell das Stress- und Angstrisiko. Die Auswirkungen dessen können allerdings wieder enorme Kosten verursachen. Dadurch kann ein echter Teufelskreis entstehen.
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Stress
Der Begriff Stress ist nicht fest definiert. Stress ist Angst nicht unähnlich und so nimmt es nicht wunder, dass auch in der Literatur häufig nicht zwischen den beiden Begriffen unterschieden wird. Hans-Peter Näf beschreibt in seiner Abhandlung die gemeinsamen Aspekte von Angst und Stress folgendermaßen: "Beides sind relationale, zwischen Person und Umwelt interaktive Phänomene, welche in Zusammenhang mit belastenden Ereignissen oder Situationen entstehen." (1)
Aus dieser Aussage lässt sich ableiten, dass Stress ebenso eine Ursache für die Entstehung von Sozialer Angst sein kann, da er sich nicht ausschließlich auf eine zu erbringende Leistung beziehen muss. Möglich ist auch, dass zwischenmenschliche Konflikte Stress und damit eventuell Angst auslösen.
Der Begriff Stress wurde von dem österreichisch-kanadische Forscher Hans Selye geprägt, um die Reaktionen von biologischen Systemen auf Belastung zu beschreiben. An sich ist Stress nicht ausschließlich negativ. Im Gegenteil ist er, wie auch Angst, lebensnotwendig. Durch ausgeschüttete Hormone wird die Leistungsbereitschaft des Körpers erhöht. Dies verschafft uns die nötige Energie um adäquat auf Probleme zu reagieren. Diese positive Energie bezeichnet Selye als Eustress. Voraussetzung dabei ist, dass in absehbarer Zeit mit einem Erfolg bzw. einer Belohnung zu rechnen ist und zumindest ein Gefühl der Kontrollierbarkeit bestehen bleibt.
Erst wenn dieser Zustand der erhöhten Leistungsbereitschaft von Dauer ist und ohne Erholungspause bestehen bleibt, werden die Grenzen der Belastbarkeit überschritten. Dann spricht der Wissenschaftler Selye von Distress, der negativen und gesundheitsschädlichen Stressform. Es handelt sich insbesondere dann um Distress, wenn die Person ein Gefühl des Kontrollverlusts empfindet. In einigen Fällen kann es zutreffend sein, dass man einer Stresssituation hilflos ausgeliefert ist, doch meistens ist es möglich die Belastung zu steuern. Der Anfang der Kontrolle besteht dabei immer in der Fokussierung der Wahrnehmung auf die Aspekte, die wir selbst lenken können. In diesen Fällen kann das Gefühl des "Ausgeliefert-Seins" schaden, denn allein dadurch ist eine größere Stressbelastung denkbar.
Bei Stress handelt es sich um ein individuelles Phänomen. Was bei dem einen Menschen eine Herausforderung ist, stellt für den anderen eine Überforderung dar. Handlungsbeeinflussend dafür können die körperliche Verfassung der Person, ihre Persönlichkeit, die Umgebung in der sie sich befindet, ihre Sichtweise der Situation und ihre bei sich selbst wahrgenommenen Handlungs- bzw. Bewältigungsmuster sein.
Insgesamt liegt die Vermutung nahe, dass Stress erst dann Angst auslöst, wenn der Betroffene bei der zu erbringenden Leistung die Gefahr des Versagens sieht. Deshalb kann es sich bei Stress um eine typische Ursache für Leistungsangst handeln.
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Beurteilungsangst
Im Unternehmen können Beurteilungssituationen normalerweise in zwei unterschiedlichen Formen auftreten. Zum einen wenn der Arbeitnehmer selbst beurteilt wird und zum anderen, wenn er es ist, der einen anderen Mitarbeiter beurteilt.
Die Liste der denkbaren Gründe für die Angst vor der eigenen Beurteilung ist lang. Denn während durch eine positive Beurteilung die berufliche Laufbahn zumeist gesichert wird, kann eine negative Leistungsbewertung unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen. Sei es in Form einer Abmahnung, in der Versetzung auf einen schlechteren Posten oder sogar in Form einer Kündigung. Daran lässt sich erkennen von welch hoher Bedeutung die Leistungsbewertung im Unternehmen sein kann. Sie beeinflusst den weiteren Verlauf der eigenen Karriere u. U. maßgeblich.
Häufig äußern Mitarbeiter auch die Befürchtung, dass die Beurteilung nicht den tatsächlich erbrachten Leistungen entspricht. Oft fallen dann Sätze, wie beispielsweise: "Wie soll er mich richtig beurteilen können? Er sitzt in einem anderen Büro als ich und sieht überhaupt nicht was ich den ganzen Tag zu tun habe!". Des Weiteren kann auch manchmal schlichtweg Misstrauen in die beurteilende Person bestehen. Sei es entweder, dass besagter Person die Kompetenz dazu abgesprochen wird oder dass eine negative persönliche Motivation unterstellt wird.
Wie bereits angesprochen, können aber auch Personen die Andere bewerten müssen Ängste entwickeln. Der Ursprung für ihre Angst besteht in der Tatsache, dass nicht alle Beurteilungen positiv ausfallen können. Damit besteht auch immer ein Risiko sich bei einigen Kollegen unbeliebt zu machen. Es kommt auch nicht selten vor, dass nach einer Leistungskontrolle - wie sie in größeren Unternehmen regelmäßig stattfindet - ein Grossteil der bewerteten Mitarbeiter im Personalbüro sitzt, um Einspruch gegen die ihrer Meinung nach ungerechtfertigte Beurteilung einzulegen. Das dabei entstehende hohe Maß an Konfliktpotenzial kann ein möglicher Grund für Beurteilungsängste sein.
Im Rahmen einer Führungskräftebeurteilung müssen bisweilen die Mitarbeiter ihre Vorgesetzten bewerten. Dies kann unter Umständen Angst auslösen, wenn zu befürchten steht, dass die Anonymität nicht gesichert ist. Die Bedrohung besteht hierbei in der Angst vor einer "Retourkutsche" des Chefs.
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Angst vor Fehlentscheidungen
Die Angst vor Fehlentscheidungen kann vor allem deswegen zu den Ursachen für Leistungsängste gezählt werden, weil sie die unter dieser Angst leidenden Mitarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit behindert. Diese Angst wirkt sich überwiegend dadurch aus, dass wichtige Entscheidungen oftmals aus Sorge um eine falsche Alternativenauswahl zu lange hinausgezögert werden. Die von diesen Mitarbeitern erwartete Leistung kann dadurch häufig nicht mehr erbracht werden und statt einer Beschleunigung von Arbeitsprozessen sind möglicherweise Verschleppungen und Verzögerungen von Entscheidungen die Folge. Diese wiederum belasten dann die Abläufe in der Organisation in ihrer Funktionalität.
In einem Unternehmen müssen Tag für Tag Entscheidungen von unterschiedlicher Bedeutung und Schwere getroffen werden. Während nun einige Menschen besonders entscheidungsfreudig an ein Problem herangehen, sind andere eher unentschlossen. Doch nicht immer sitzen diese Menschen an dem jeweils für sie geeigneten Arbeitsplatz. So kann jemand mit wenig Entscheidungskraft eine Position im Unternehmen innehaben, in welcher er gezwungen ist regelmäßig Entscheidungen zu fällen. Auch daraus können individuelle Ängste vor Fehlentscheidungen resultieren.
Bei wichtigen Entscheidungen geht es oft um hohe Geldsummen, Arbeitsstellen oder sogar um das Überleben der Organisation. Dementsprechend können auch die Ängste steigen eine falsche Entscheidung zu treffen.
Die Tragweite einer Entscheidung muss jedoch nicht unbedingt ausschlaggebend sein, inwieweit sich die Angst vor Fehlentscheidungen ausbildet. So können auch Erfahrungen in der Vergangenheit des Entscheiders eine hohe Bedeutung haben. Hat ein Mitarbeiter schon einmal nach einer solch schlechten Entscheidung erfahren müssen, dass er von seinem Vorgesetzten "bestraft" wird, sinkt vermutlich in Zukunft seine Bereitschaft eine Wahl zu treffen.
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Angst vor dem Ende der persönlichen beruflichen Entwicklung
Die Angst vor dem persönlichen "Ende der Karriereleiter" ist zwar nicht neu, doch hat sie in den letzten Jahren zunehmend eine andere Bedeutung bekommen. Mit dem Ende der Karriere ist nicht die Kündigung gemeint und auch nicht, dass es keine höheren Positionen mehr gibt. Gemeint ist damit der Punkt, an dem das Potential des Arbeitnehmers erschöpft ist und er für eine höhere Stelle nicht mehr in Frage kommt.
Eine besonders hohe Position stellt in unserer Gesellschaft ein Statussymbol dar und verschafft zumeist ein großes soziales Ansehen.
Früher sah der klassische Berufsweg eher so aus, dass der Arbeitnehmer sich in seinem Betrieb vom Auszubildenden langsam "hocharbeiten" musste. Dieser Weg zog sich meist über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte hin. Der Punkt an dem sich der Arbeitnehmer damit konfrontiert sah, dass es keine weitere Sprosse auf der Karriereleiter für ihn zu erklimmen gab, kam in der Konsequenz meist recht spät. Der Beschäftigte war bereits in einem Alter, in dem es gesellschaftlich akzeptiert war, wenn er nicht mehr befördert wurde. Damit war es für die betroffene Person leichter, die gegebene Situation zu akzeptieren.
Heute hat sich die Lage stark verändert. Mit einer guten Ausbildung wie einem Hochschulabschluss ist bereits jungen Menschen der Einstieg in höhere Positionen möglich. Dazu kommt, dass Beschäftigten in modernen Unternehmen häufig neue Aufgaben anvertraut werden, die wiederum mehr Verantwortung mit sich bringen. Normalerweise ist es üblich, diejenigen Arbeitnehmer welche im Unternehmen solche Aufgaben wahrnehmen, zu befördern. Damit verdienen diese Angestellten dann entsprechend ihrer Leistung.
Im Gegensatz zu früher haben sich also vorwiegend zwei Dinge verändert: Einmal ist es möglich bereits in einer höheren Position anzufangen, statt als Lehrling und zum anderen verbleibt der Angestellte heute nicht mehr so lange an einer Stelle, wie es früher meistens der Fall war, sondern wechselt die Position häufiger.
Die Konsequenz ist, dass heute der Arbeitnehmer sich bereits in einem wesentlich jüngeren Alter mit dem eventuellen Ende seiner persönlichen Karriereleiter auseinandersetzen muss. Infolgedessen entwickelt sich Angst und es tauchen immer wieder Fragen auf, wie: "Was soll ich machen? Ich bin 34 Jahre alt und habe bisher schon viel erreicht, aber seit einiger Zeit geht einfach nichts mehr vorwärts. Kann es sein, dass dies das Ende meiner Karriere ist? Das kann doch nicht schon alles gewesen sein!"
Vordergründig steckt in dieser Angst nur die Sorge, eigenen persönlichen Erwartungen nicht gerecht zu werden, doch eigentlich geht es um mehr. Es geht um den Prestigeverlust und um die mangelnde Anerkennung eigener Leistungen durch das soziale Umfeld bei zukünftig ausbleibender beruflicher Weiterentwicklung.
Einige Unternehmen bekräftigen - bewusst oder aus Kostengründen dazu gezwungen - die Sorge vor dem frühzeitigen Aus noch, indem sie viele Mitarbeiter in den Vorruhestand schicken und damit indirekt signalisieren, das man heute schon mit Mitte vierzig zum "alten Eisen" gehören kann.
Die Angst vor dem vorzeitigen Aus der Karriere kann auch die Motivation des Betroffenen, ungünstig beeinflussen: "Es ist egal was ich versuche, ich kann es doch nicht weiter bringen - wieso also anstrengen?" Dieser Motivationsverlust hat oft eine direkte Auswirkung auf die Leistung. Aus diesem Grund kann auch die Angst vor dem Ende der persönlichen beruflichen Entwicklung zu den Leistungs- bzw. Versagensängsten gezählt werden.
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(1) s. NÄF (1995) S. 18