Zunächst sollte festgehalten werden, dass mit Bewältigungsstrategien für den Arbeitnehmer nicht die bereits beschriebenen Abwehrmechanismen gemeint sind.
Strategien zum Umgang mit Ängsten sind folgende:
Auseinandersetzung mit Angstgefühl und Angstursache
In vielen Fällen ist es den Personen gar nicht bewusst, dass sie unter Angst leiden und worin eigentlich ihr Problem besteht. Sie spüren lediglich die Auswirkungen, sind aber nicht im Stande, eine Lösung zu finden.
Um sich von übertriebener Angst befreien zu können, ist es ungemein wichtig zu erkennen, unter welchem Emotionseinfluss man tatsächlich leidet und wie dieser verursacht wurde.
Der erste Schritt besteht also darin sich mit dem Angstgefühl auseinanderzusetzen. Beunruhigenden Emotionen sollten, sobald sie bemerkt werden, auf den Grund gegangen werden, da sie nicht wieder von alleine vergehen werden. Es ist sinnlos, lästige oder unangenehme Aufgaben vor sich her zu schieben. Dies verstärkt das Problem eher noch, im Sinne von Schlafstörungen, Magenschmerzen oder durch ein schlechtes Gewissen.
Möchte sich jemand Klarheit über seinen Gemütszustand verschaffen, so ist es primär hilfreich, dass er sich von der Hektik des Alltags löst, sich Zeit nimmt und einen ruhigen Ort aufsucht. An diesem hat er dann Gelegenheit über die eigene Person nachzudenken. Möglicherweise ist es nützlich, wenn er sich ein paar Notizen bezüglich der angstauslösenden Situation macht. Er kann versuchen sie zu beschreiben. Dadurch wird er sich vielleicht klar darüber, was ihn an besagter Situation ängstigt und warum es das tut. Das Niederschreiben eines Problems hat den positiven Effekt, dass der Betroffene den Sachverhalt mit einem gewissen Abstand betrachten kann. Dadurch ist eventuell auch eine Struktur zu erkennen, welche die Person nicht fähig war zu erkennen, als sie selbst inmitten der Situation steckte.
Im Anschluss sollte mit dem Tabu Angst gebrochen werden, denn das Zulassen von Gefühlen erleichtert vermutlich auch die Auseinandersetzung mit ihnen. Meist nimmt es schon eine Menge der Anspannung, wenn der Betroffene offen über seine Probleme und damit hier über die Angst sprechen kann. Ein positiver Nebeneffekt davon ist, dass die Person in ihrer Problemschilderung relativ konkret werden muss. Außerdem ist es oft hilfreich, einen anderen Blickwinkel zu bekommen, um die eigene Position zu reflektieren. Es sollte nur darauf geachtet werden, an welcher Stelle die Gefühlswelt des Betroffenen angesprochen wird. Zum einen deshalb, weil noch längst nicht alle Führungskräfte von dem Vorurteil befreit sind, dass Angst mit Schwäche gleichzusetzen ist und zum anderen, weil Angst eine ansteckende Wirkung haben kann. Es bleibt zu sagen, dass durch die Auseinandersetzung mit der Angst neue, kreative Lösungswege gefunden werden können.
Im zweiten Schritt geht es um die Auseinandersetzung mit der Angstursache, sozusagen dem Kern der eben genannten Angstgefühle. Auch hier ist es nicht von Nutzen einer problematischen Situation ausweichen zu wollen. Ausweichverhalten verschafft zwar kurzfristig eine Entlastung, doch langfristig wird das Problem nur verstärkt. Stattdessen sollte man sich konzentrieren um eine Lösung zu finden. Ein Weg, um eine trostlose und scheinbar ausweglose Situation zu meistern, besteht darin nach einem positiven Aspekt zu suchen. Irgendetwas Positives ist mit ein wenig Phantasie jeder Lage abzugewinnen, das macht Mut und daran kann man sich dann weiter orientieren.
[nach oben]
Verbesserung des Selbstbewusstseins
Inwieweit sich Angst auswirkt, hängt im hohen Maße vom Selbstbewusstsein einer Person ab. Ist es stark ausgeprägt, wird dieser Mensch beispielsweise keine Probleme mit Publikumsangst haben. "Wer mit sich selbst umgehen kann, kann auch mit Angst umgehen" damit ist gemeint, dass Menschen, die sich selbst gut kennen, also sowohl ihre Stärken als auch ihre Schwächen, sicherer in heiklen Situationen zurechtkommen.
Doch nicht alle Menschen besitzen ein gleichermaßen starkes Selbstbewusstsein und so haben Personen, die über diese Qualität verfügen, einen Vorteil gegenüber anderen. Kritik verkraften sie besser, da sie nicht permanent fürchten, sie könnte sich gegen die eigene Persönlichkeit richten. Sie können sich entspannter auf Gespräche mit Kollegen oder Vorgesetzten einlassen ohne Angst, sich möglicherweise zu blamieren. Selbstsichere Menschen haben auch weniger Angst davor, ihre Meinung frei zu äußern. Im Falle einer falschen Antwort befürchten sie nicht, das Gesicht zu verlieren.
Ist es nun aber möglich, Selbstsicherheit zu erlernen? Die Antwort auf diese Frage ist ein klares Ja. Hemmungen, Schüchternheit und unsicheres Verhalten sind erworbene Probleme, die überwunden werden können, wenn gezielt daran gearbeitet wird. Außerdem braucht es Zeit, denn alte Gewohnheiten sind nur schwer abzulegen, da sie schon lange Zeit Bestandteil des Lebens sind. Trotzdem sollte man sich nicht entmutigen lassen, denn auch die längste Reise beginnt mit nur einem Schritt.
Was bedeutet selbstsicheres Verhalten eigentlich genau? Hierzu eine Definition von Rolf Merkle, dem Autor des Buches "Lass Dir nicht alles gefallen":
"Selbstsicher zu sein bedeutet, frei entscheiden zu können, wie man sich verhält. Man hat die Wahl, ob man sich durchsetzen oder ob man nachgeben will. Man macht sich nicht zum Opfer der anderen oder der Umstände, sondern gestaltet sein Leben in eigener Regie. Entscheidet man sich dafür, seine Interessen und Rechte zu wahren und durchzusetzen, dann geschieht dies, ohne die Rechte anderer zu verletzen."
Eine Möglichkeit wie das Selbstbewusstsein gestärkt werden kann ist, wenn die Person sich vor Augen hält, welche Erfolge sie bisher schon erzielt hat. Damit kann Erfolg regelrecht programmiert werden. Der Betroffene muss sich nur immer wieder vorsagen, dass er schon ganz andere Probleme bewältigt hat.
Selbstsicherheit kann auch durch hohe Kompetenz bekräftigt werden, denn durch das Wissen, auf welche Weise das aktuelle Problem anzugehen ist, lässt sich ein deutlich höheres Maß an Sicherheit erlangen.
[nach oben]