Bei den Auswirkungen von Angst auf den Arbeitgeber bzw. das Unternehmen geht es in der Hauptsache um Punkte, bei denen Angst den reibungslosen Ablauf im Geschäft behindert.
Zu diesen gehören:
Prinzipiell verursachen sowohl das Absinken der Leistungen als auch die Verschlechterung des Betriebsklimas hohe Kosten. Dennoch steht bei diesen beiden Punkten nicht nur die betriebswirtschaftliche Konsequenz im Vordergrund, weswegen sie getrennt davon behandelt werden.
Sinkendes Leistungsniveau
Von einem guten Arbeitnehmer wird verlangt, dass er möglichst konstant gute Leistungen für das Unternehmen erbringt. Ein absinkendes Leistungsniveau äußert sich häufig in drei entscheidenden Merkmalen:
- Mangelnde Entscheidungskraft der Mitarbeiter
- Fehlender Leistungswille
- Vermehrtes Auftreten von Fehlern
Mangelnde Entscheidungskraft der Mitarbeiter
Durch die Angst vor Fehlentscheidungen ist der Mitarbeiter verunsichert und schiebt anstehende Entscheidungen immer wieder vor sich her. Dieses Problem betrifft vermutlich Mitarbeiter aller Hierarchieebenen. Winfried Panse, Professor für Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Köln, sagte zu diesem Thema: "Manager, die Angst haben, verkriechen sich oft hinter ihrem Computer" Alternativ dazu, verfallen einige in blinden Aktionismus. Das bedeutet, dass sie ein Problem angehen, ohne sich vorher eine geeignete Lösungsstrategie zu überlegen. Damit ein Unternehmen in der Geschäftswelt jedoch erfolgreich agieren kann, braucht es Mitarbeiter, insbesondere Führungskräfte, die sich nicht scheuen selbstbewusst Entscheidungen zu treffen. Wird dabei doch einmal die falsche Wahl getroffen hat dies dennoch für den Betrieb nicht in gleichem Ausmaß schädliche Auswirkungen.
Fehlender Leistungswille
Um ein hohes Leistungsniveau zu gewährleisten sind zwei Dinge wesentlich: Leistungsfähigkeit und Leistungswille. Häufig kann ein Ziel nicht erreicht werden weil die Mitarbeiter nicht das nötige Engagement an den Tag legen. Die Ursachen hierfür sind möglicherweise Burnout, sinkende Motivation oder innere Kündigung.
Die Kosten fehlenden Engagements sind immens.
Vermehrtes Auftreten von Fehlern
Herrscht in einem Betrieb Angst, treten Fehler wahrscheinlich häufiger auf als in einem Unternehmen, das sich durch Wertschätzung für seine Mitarbeiter auszeichnet. Das kommt daher, dass der Arbeitnehmer zu sehr in Gedanken mit einem anderen Problem beschäftigt ist, als das er sich auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren kann. Beispielsweise kann unkonzentrierte Arbeit an einer Maschine einen technischen Defekt verursachen. Solche oder ähnliche Fehler, kosten eine Menge Zeit und auch Geld.
Bloße Unkonzentriertheit ist eine Ursache für Fehler, eine andere stellen Suchtmittel dar. Wie schon näher erörtert greifen unter Angst leidende Menschen vermutlich eher zu Suchtmitteln. Durch den Gebrauch erhöht sich das Unfallrisiko im Betrieb.
[nach oben]
Verschlechterung des Betriebsklimas
In vielen Firmen macht das Wort von der "Betriebsklima-Katastrophe" die Runde. Es liegt die Annahme nahe, dass es sich in einem schlechteren Klima auch nicht gut arbeiten lässt. Die wirtschaftlichen Schäden, die daraus entstehen können, sind beträchtlich. Die Ursachen für eine schlechte Stimmung im Betrieb sind vielfältig. Zu ihnen gehören unter anderem Konflikte, Mobbing und hoher Leistungsdruck.
Anhand des Beispiels Massenarbeitslosigkeit soll verdeutlicht werden, wie ein solch schlechtes Klima entsteht:
In deutschen Unternehmen kommt es unter wachsendem Ertragsdruck in den letzten Jahren recht häufig zu Rationalisierungsmaßnahmen. In dieser Zeit bangen viele Menschen um ihren Arbeitsplatz und so liegt die Vermutung nahe, dass Mitarbeiter, die nach einer Kündigungswelle weiter beschäftigt werden, glücklich darüber sind und noch motivierter arbeiten. In Wirklichkeit bleiben jedoch meist verstörte Belegschaften zurück. Eine ebenso große Rolle bei der Gestaltung des Betriebsklimas spielt die Art und Weise, wie gekündigt wird. So erreicht nicht selten die Betroffenen die Hiobsbotschaft per Email, obgleich seit 1.Mai 2000 eine Kündigung in Schriftform vorliegen muss. Auch verbreitet ist der Standard-Serienbrief und sogar entsprechende Software für Fließbandkündigungen gibt es schon. Dabei formuliert der Computer das Kündigungsschreiben automatisch, sperrt Hausausweise und beauftragt die technische Abteilung, Dienst-Notebooks und Handys einzuziehen.
Diese wenig humane Behandlung spricht sich schnell herum, was einen enormen Imageschaden für das Unternehmen bewirken kann. Ein positives Image ist für ein Unternehmen aber von großer Bedeutung. Angenommen das Geschäft hat sich erholt und es sollen wieder Leute zurückgewonnen werden. Personen die auf die oben beschrieben Weise entlassen worden sind, werden es sich zweimal überlegen ob sie ein solches Risiko noch einmal eingehen sollten. Die Wahrscheinlichkeit, die ehemaligen Mitarbeiter wieder für das Unternehmen zu gewinnen, steigt wenn sie fair behandelt wurden. Der Ausspruch "Image ist alles" hat also eine wahre Bedeutung. Wie ein Unternehmen mit seinen Angestellten umgeht, spricht sich auch branchenübergreifend herum und erhöht die Chance, dass gute Arbeitskräfte für ein Engagement gewonnen werden können.
[nach oben]
Betriebswirtschaftliche Auswirkungen
In einem Unternehmen geht es in erster Linie darum, Erträge zu erwirtschaften. Dies gelingt umso besser, je geringer der Kostenaufwand für die Produktion oder Dienstleistung gehalten werden kann. Dazu sollten Arbeitsabläufe permanent optimiert werden. Dies ist eine äußerst schwierige Aufgabe, da menschliches Handeln nicht in diesen Ausmaßen berechenbar ist. So erbringen Arbeitnehmer nicht jeden Tag eine gleich gute Leistung. Humane Einflüsse wirken sich immer wieder sowohl positiv als auch negativ auf die normalen Handlungsstränge aus. Angst ist einer dieser Einflüsse und die Konsequenzen auf die Kosten, also den betriebswirtschaftlichen Aspekt des Unternehmens, sind sehr stark ausgeprägt.
In einer Langzeitstudie von Prof. Winfried Panse wurden seit 1996 bereits 4000 Berufstätige zu ihren Ängsten am Arbeitsplatz befragt. Der Professor schätzt, dass im vergangenen Jahr die Folgen von Angst die Unternehmen 75 Milliarden Euro gekostet haben.
Die Ursachen für die Entstehung dieses enormen Betrages wurden bereits erläutert. Zu ihnen gehören sämtliche Ursachen der Leistungs- bzw. Versagensängste, der sozialen Ängste und der Existenzängste. Des Weiteren beeinflussen selbstverständlich auch die Auswirkungen von Angst auf den Arbeitnehmer die Kostensumme.
[nach oben]